Les Amis du Roi des Aulnes - Die Freunde des Erlenkönigs

Im Zeitalter der Aufklärung kam die Frage auf, ob Babel ein Geschenk oder ein Fluch sei. Dazu gesellt sich heute die Frage, ob die Vielfalt der existierenden Sprachen in Zukunft bewahrt werden kann. Denn mit ihrem Untergang würden auch ihre jeweils eigene Lesart der Welt und ihr literarisches Erbe untergehen.

Im erweiterten Europa sind Sprachen und Literaturen die Hüter unserer Geschichten und unserer Erinnerungen. Sie sind unser gemeinsames Erbe. Ihr Wissensschatz, die Begegnung mit ihren Autor~innen, der Austausch unter Schriftsteller~innen und die Übersetzung ihrer Werke tragen dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden und Tabus zu brechen. Sie öffnen den Dialog für ein besseres gegenseitiges Verständnis in unserer Beziehung zur Welt.

Dies ist seit der Gründung im Jahre 1983 die Zielsetzung des Vereins »Die Freunde des Erlenkönigs«. Die Vereinsgründung im Umfeld der deutschsprachigen Buchhandlung »Der Erlenkönig« – die 1980 von Nicole Bary eröffnet wurde – schuf ein Netzwerk, das seither Autor~innen, Verleger~innen, Übersetzer~innen und Leser~innen zusammenführt. Der Verein kooperiert mit in Frankreich ansässigen deutschen Kultureinrichtungen ebenso wie mit österreichischen, schweizerischen, polnischen, rumänischen, bulgarischen, slowenischen und spanischen Institutionen. Durch öffentliche Lesungen, Autorentreffen, Veranstaltungen an Schulen und Universitäten und die Herausgabe der Zeitschrift LITTERall sorgen die »Freunde des Erlenkönigs« dafür, die Literatur dieser Sprachen bekannt zu machen und sie zu einem gegenseitigen Dialog anzuregen. Die Zeitschrift ist eine Tribüne für jüngere und nicht mehr ganz so junge deutschsprachige Autor~innen, die trotz erster Erfolge in ihren jeweiligen Ländern dem französischen Lesepublikum noch fremd sind.

»Die Freunde des Erlenkönigs« nehmen zudem an Begegnungen französisch- und deutschsprachiger Autoren und Autorinnen in Deutschland teil, vor allem in den neuen Bundesländern. In den letzten Jahren arbeitete der Verein mit dem Centre de Recherche sur les identités nationales et l'interculturalité de Nantes (Forschungszentrum zu nationalen Identitäten und Interkulturalität in Nantes) zusammen. Er unterhält rege Kontakte zu osteuropäischen Kulturinstituten und ist Mitorganisator der Palabres centre-européenes (mitteleuropäischen Gespräche), bei denen fünfmal jährlich kürzlich erschienene Übersetzungen aus dem Deutschen, Ungarischen, Polnischen, Rumänischen, Slowakischen, Tschechischen und Jiddischen vorgestellt werden.

Die Vereinsleiterin Nicole Bary ist Übersetzerin und Programmdirektorin für deutschsprachige Literatur bei den Editions Métaillé.